Zinsen und Gebühren – Zwei Seiten von Abgaben


Der Begriff Zins kommt vom lateinischen Census, was so viel wie Vermögensschätzung bedeutet. Zinsen sind schwer exakt zu definieren. Allein die Wirtschaftstheorie kennt viele Rechtfertigung dafür warum man überhaupt Zinsen auf bereitgestelltes Kapital verlangen kann. Nach Eugen-Böhm-Bawerk sind Zinsen nicht der Preis des Geldes, sondern Preis für die Zeit, in der der Verleiher auf seinen Konsum verzichtet. Eine modernere Zinstheorie stammt von John Maynard Keynes. Laut diesem ist der Zins durch die Liquiditätspräferenz des Menschen. Der Zins wird dabei zur Liquiditätsprämie. Es gibt noch zahlreiche andere Betrachtungen zum Zins, jedoch ist damit schon mal geklärt, dass es nicht damit getan ist, die Zinsen als Preis des Geldes zu bezeichnen. Es hat noch mehr Gründe warum man Zinsen verlangen kann. Zum einen zum Ausgleich für das Dubiosenrisiko, zum anderen auch um das Inflationsrisiko auszuschalten. Ein nicht unwesentlicher Punkt sind auch die Oppurtunitätskosten. Denn der Gläubiger könnte inzwischen ja selbst mit dem Kapital tätig werden.
Handelt es sich um eine Marktwirtschaft, wird der Zinssatz durch Angebot und Nachfrage festgelegt. Dann unterscheidet man noch Zinsen auf Geldkapital und Zinsen auf Sachkapital. Der erste Begriff trifft auf Kapitalanlage jeglicher Art zu. Darunter fallen Anleihen, Kredite oder auch Aktien. Der zweite Begriff ist etwas weiter gefasst und beinhaltet zum Beispiel Miete( Mietzins), der für die Überlassung einer Immobilie erhoben wird. Ein anderes Beispiel wäre Pacht.

Die Gebühr kommt aus dem Deutschen und stammt von dem etwas veralteten Begriff Gebührnis ab, was aber in etwa die gleiche Bedeutung hat. Ursprünglich bezeichnet der Begriff nur Gebühren der öffentlich-rechtlichen Hand. Heutzutage ist es jedoch im Bankwesen durchaus üblich für Kapitalverkehr auch Bearbeitungsgebühren zu verlangen. Bei jeglicher Kapitalinvestition sollten daher die Gebühren berücksichtigt werden. Normalerweise werden Gebühren jedoch im Effektivzinssatz mit einberechnet.

Der Geld- und Kapitalmarktzins

Der Geldmarktzins ist einer der wesentlichsten Zinssätze überhaupt. Er bestimmt zu welchen Konditionen sich Kreditinstitute untereinander Geld leihen. Dieser wird von der Zentralbank bestimmt und zu diesen Konditionen können Geschäftsbanken Kredite aufnehmen. Dieser sollte direkten Einfluss auf den Kapitalmarktzins haben, welcher für langfristige Kredite festgelegt wird. Die Wirtschaftskrise hat jedoch gezeigt, dass Banken nur sehr zögernd oder gar nicht auf Leitzinsänderungen der Zentralbanken reagieren. Ein weiteres Problem war hier auch das mangelnde Vertrauen der Banken untereinander, wodurch der Geldschöpfungsmultiplikator sehr gering war und die Wirkung der Zentralbankpolitik nur sehr langsam zu greifen begann. Der Geldschöpfungsmultiplikator beschreibt den Anstieg an Kapital durch den Verleih von Geld. Das heißt, dieser wäre ohne den Zins gar nicht denkbar.

Zinsen und Gebühren im Kreditwesen

Gebühren sind relativ einfach erklärbar. Sie dienen der Deckung von entstandenen Verwaltungs- und Bearbeitungskosten. Trotz dieser Definition richtet sich der Betrag dieser Kosten stets nach dem Gesamtbetrag des Kredites. Bei höheren Krediten kann es dabei auch zu einem honorablen Betrag kommen. Schon bei einer Summe von 20000 Euro für einen Kredit kann die Gebühr 500 Euro betragen. Sollte man Ihnen nicht von Haus aus den Effektivzinssatz vorlegen, sollten Sie das unbedingt fordern, denn dieser beinhaltet bereits alle anfallenden Nebenkosten eines Kredites( Gebühren, Provisionen, Bereitstellungszins…).
Die Höhe des Zinssatzes wird aber durch sehr viel mehr beeinflusst. Als erstes zählt dabei die Höhe des Kredites sowie die von Ihnen bereitgestellten Sicherheiten. Außerdem ist noch die Zinsbindungsfrist von entscheidender Wirkung. Die Zinsbindungsfrist sollte jedoch nicht mit der Kreditlaufzeit verwechselt werden. Es handelt sich dabei um jenen Zeitraum, in dem die Bank den Zins nicht an Veränderungen auf dem Zinsmarkt anpassen darf. Das heißt, umso länger diese Frist ist, umso höher fallen die Zinsen aus. Weitere wichtige Indikatoren sind der Geldmarkt- und der Kapitalmarktzins. Weniger wichtig ist in diesem Fall die momentane Konjunktur.

Zinsen und Gebühren bei Kapitalanlage

Nun wechseln wir an den Punkt, an dem Sie die Zinsen nicht bezahlen, sondern welche erhalten. Diesen Zins bezeichnet man dann auch Rendite. Jegliche Form von Anlage sollte einen Gewinn bringen für das Kapital das man einsetzt. Je nach Risiko und Laufzeit der Anlage unterscheidet sich dann auch der Zinssatz. So wird man für Staatsanleihen, die am Sichersten gelten, nur eine sehr geringe Rendite von maximal 4% erhalten. Dafür kann man auch kaum was verlieren. Vergleicht man dies mit Aktien, Futures oder Swaps, welche wesentlich höhere Risiken mit sich bringen, kann die maximale Rendite damit weit höher sein. Es ist in diese Fall jedoch auch leicht möglich, dass Sie etwas verlieren. Die Höhe der Zinsen bestimmt sich ganz ähnlich wie beim Kredit. Nur das bei den meisten Anlagen die Konjuntur eine viele größere Rolle spielt.
Die Gebühr ist auch in diesem Fall als Bearbeitungsgebühr oder Provision zu bezahlen. Diese kann am Anfang und am Ende der Laufzeit fällig sein. Und im Gegensatz zum Zins ist hier das jeweilige Kreditinstitut mit dem Sie handeln der Profiteur. Sie fallen für die Bearbeitung an und unter Umständen auch bei Erfolg Ihrer Anlage.

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